"Filme erlauben uns in Welten zu reisen, die uns sonst unerreichbar scheinen, sei es menschlich oder geografisch..."
COURTS TOUJOURS ist ein Filmfestival rund ums Handicap und seine vielfältigen Erscheinungen. Ein Festival, das den Dialog fördert und wenig bekannte Thematiken dem Zuschauer näher bringt. Die filmische Qualität der gezeigten Werke ist uns dabei sehr wichtig.
Das Festival richtet sich an cinephile Zuschauer, sowie an alle, die sich für die Welt um sich interessieren oder selber mit einer Behinderung leben.
Diese erste Ausgabe findet am 9. April 2011 in Canaules in Südfrankreich statt. Sie entstand aus unerwarteteten Begegnungen zwischen Tanz, Spital, Gleitschirm und Film und ist direkt vom internationalen Kurzfilmfestival look&roll inspiriert, das uns tief beeindruckt hat.
Wir, das sind: Dominique Margot (Filmemacherin), Cécile Martin (Tänzerin), Christof Beyler (Künstler) und Frank Lenoir (Theatermechaniker).
Das Festival findet im LA STRADA in Canaules im Departement Gard statt, 30 km von Nimes, 20 km von Ales. Der Ort ist für manuelle und elektrische Rollstühle zugänglich. Autos können 150 Meter weiter parkiert werden, aber BesucherInnen können direkt vor den Saal gefahren werden und dort aussteigen. Die Filme sind für Hörbehinderte untertitelt.
Wir danken Gerhard Protschka vom Festival look&roll für seine logistische Unterstützung, die Association Poissons Volants für den Empfang und allen Filmemacher und Filmemacherinnen für ihre Filme.
LA STRADA
Route de Lézan
Canaules-et-Argentières, 30350
Tel.: +33 (0) 466 533 235
E-Mail
Programm 1, 16.30h

Mon petit frère de la lune
(Mein kleiner Bruder vom Mond)
Frédérick Philibert
F 2007, 7’, Animation, OV/d/f
Ein kleines Mädchen erzählt uns, warum ihr autistischer Bruder anders ist, als andere Kinder. Und sie erzählt uns davon, wie wunderbar es ist, wenn sie dennoch zu ihm findet.

Aegypten
Katrin Resetarits
A 1999, 10’, Dokumentarfilm, OV/d/f
Ägypten ist ein Film fast ohne Ton über taubstumme Menschen bzw. ihre Gebärdensprache: eine Sprache, die (wie die altägyptischen Hieroglyphen) das symbolische Bezeichnen mittels Worten mit dem mimetisch-analogen Bezeichnen durch bildhafte Gesten verbindet. Nüchterne Schwarzweißaufnahmen zeigen, wie "Hai", "Witwe", "Marilyn Monroe", eine James-Bond-Szene, ein Wienerlied oder die Geschichte einer Schatzsuche zweier Ägypten-Urlauber in Gebärdensprache ausschauen, und sind eine - ganz kleine, andeutungshafte - Einführung in eine unvertraute Wahrnehmungsweise, in der man die tönende Welt sieht, ohne zu hören. (Drehli Robnik)

Sale Battars
(Verdammte Bastarde)
Delphine Gleize
F 1998, 25’, Spielfilm, OV/d/f
Eine Hochzeit in der französischen Provinz. Die ältere Schwester der etwa 12-jährigen Sardine wird heiraten. Der Vater lebt nicht mehr bei der Familie. Sardine beschliesst, dass ihr Bruder Ben-Hur, der mit einer sehr ausgeprägten cerebralen Parese lebt, die Braut zum Altar führen soll. Dies stösst bei den Erwachsenen, diesen verdammten Bastarden, auf entrüstete Ablehnung. Ein köstlicher, glänzend besetzter Film mit berückenden Bildern und eindrücklichen Szenen.

Nikita & Nikita
Maria Tyulyaleva
RUS 2006, 16’, Dokumentarfilm, OV/d/f
Der achtjährige Nikita hat eine zerebrale Parese. Sprechen, Hören und Gehen fallen ihm schwer. Dennoch trainiert er ausdauernd das Turmspringen. Der sehr strenge Trainer behandelt ihn wie jeden anderen Jungen. Nikita betritt das Sprungbrett zitternd und unsicher. Er weint manchmal, weil es ihm schwerfällt, aufrecht zu stehen, aber auch aus Angst. Nikita ist ebenso ehrgeizig wie sein Trainer. Und er kommt voran und geht immer höher. Am Tag vor seinem Geburtstag steht der Sprung aus 10 Metern an... Schafft Nikita auch das?

Lydskygger
(Klangschatten)
Julie Engaas
NOR 2008, 7', Animation, OV/d/f
"Die meisten Leute denken, dass ich im Dunkeln lebe, aber vor meinen Augen ist nichts. Nur Luft." Hege Norset Blichfeldt, eine blinde Frau, erzählt uns in diesem hervorragend animierten Film davon, wie sie sich anhand von "Klangschatten" orientiert. Sehr eindrücklich und mit bezaubernden Bildern illustriert.
La longueur et la largeur du ciel
(Die ganze Länge und Weite des Himmels)
Dominique Margot
CH 1998, 26’, Dokumentarfilm, OV/d/f
Ein Filmportrait über Jean-Claude Grenier, der trotz seiner körperlichen Einschränkungen (Glasknochenkrankheit) als Schauspieler und Zirkusartist lebt und arbeitet. (Freaks / ARCHAOS / Richard III / und zahlreiche andere). Ein charismatischer und brillanter Mann, dessen Wanderungen im Rollstuhl überall Spuren hinterlassen und der beim seinem Gegenüber nachhaltige Denkprozesse auslöst.
Programm 2, 21.00h

The Cost of Living
(Der Preis des Daseins)
Lloyd Newson
UK 2004, 35’, Spielfilm, OV/d/f
Cromer bei Norfolk, ist ein typischer, altmodischer und verblasster Ferienort an Englands Küste. Die Sommersaison geht zu Ende und ein Hauch von Verlassenheit liegt über der Stadt. Eddie und David sind desillusionierte Strassenkünstler. Eddie ist direkt, scheut keine Konfrontation und kämpft für seinen Glauben an das Gerechte und die Ehrlichkeit. David ist ein Tänzer ohne Beine; ihm zuzusehen bedeutet, die eigenen Vorstellungen von Perfektion zu hinterfragen. Ruhig und bestimmt achtet er darauf, dass ihm seine Behinderung und gesellschaftliche Vorurteile nicht in die Quere kommen. Eine Reihe von lose verknüpften Szenen zeigen, wie die beiden leben, in und aus Beziehungen gleiten und von Tag zu Tag überleben.

El ataque de los robots de nebulosa-5
(Der Roboterangriff von Nebel-5)
Chema Garcia Ibarra, SP 2008, 6', Spielfilm, OV/d/f
Ausserirdische werden kommen und die Erde vernichten. Einige Auserwählte werden überleben, sie müssen sich aber dem Einzigen, der die Pläne der Roboter kennt, anvertrauen. Aber die Menschen sind schwer zu überzeugen!

Jak Motyl
(Wie ein Schmetterling)
Ewa Pieta
PL 2006, 28’, Dokumentarfilm, OV/d/f
Przemek ist seit Geburt gelähmt und kann nicht sprechen, aber sein Geist ist intakt. Als Junge versuchte er, mit seiner Umwelt zu kommunizieren, wurde aber 16 Jahre lang nicht verstanden. Auf diese Weise für dumm gehalten begann er, die Hoffnung zu verlieren, bis ein Wunder geschah... Heute schreibt er Gedichte und heimst Preise dafür ein.

The Egg
(Das Ei)
Richard Wilson
UK 2002, 9’, Spielfilm, OV/d/f
Eine fast leere Imbissstube in den frühen Morgenstunden. in junger Mann im Pyjama betritt das Lokal. Er ist stark cerebral gelähmt und wird recht herablassend behandelt. Das ändert sich aber rasch und auf ungewöhnliche Art.

Anders & Harri
Johan Palmgren / Åsa Blanck
SWE 2008, 13’, Dokumentarfilm, OV/d/f
Anders und Harri sind die besten Freunde, die man sich denken kann. Sie gehen durch dick und dünn und beide lieben Musik. Anders liebt zudem auch Züge. Die beiden reisen nach Getå, wo sich vor langer Zeit das grösste Eisenbahnunglück der schwedischen Geschichte ereignet hat. Zwischendurch haben sie Meinungsverschiedenheiten, die nicht einfach zu beheben sind, denn es geht um Viel: Lässt sich Harri von Anders helfen, wenn er Angst hat, oder nicht?

