Die Credit Suisse look&roll Awards 2008 gingen an:

1. Preis der Jury (CHF 5'000.-)
Rendez-Vous
Marcin Janos Krawczyk
PL 2006, 9’, Dokumentarfilm, OV/d/f
Ein kalter Wintertag. Eine Frau und ein Mann betreten ein Café. Er möchte Eis, sie Kuchen. Sie sehen zufrieden aus. Sie unterhalten sich, weil es sich nicht gehört, in einem Café nur zu essen und zu trinken. Also unterhalten sie sich. Aber über was? Über alles! „Einsamkeit ist das Schlimmste, wenn Du niemanden an Deiner Seite hast“, sagt Lukas. Ein schwebender Augenblick in einem Café, „man möchte, dass er anhält und anhält und anhält…
Kontakt Produktion und Verleih: katarzyna(at)cff.pl
Begründung des Juryentscheids:
Die Jury ist einstimmig der Meinung, dass der erste Preis an ein kleines Meisterwerk mit hervorragender Darstellung und Inszenierung geht. Ein Film, der sich durch eine wunderbare Einheit aller Elemente auszeichnet: Idee, Erzählweise, Musik, Kameraführung und Beleuchtung. Er schafft es, eine universelle Aussage zu vermitteln. Jeder von uns könnte an diesem Tisch sitzen. Dadurch wird eine Gemeinsamkeit zwischen den Darstellern und den Zuschauern geschaffen.

2. Preis der Jury (CHF 2'500.-)
Nikita & Nikita
Maria Tyulyaleva
RUS 2006, 16’, Dokumentarfilm, OV/d/f
Der achtjährige Nikita hat eine zerebrale Parese. Sprechen, Hören und Gehen fallen ihm schwer. Dennoch trainiert er ausdauernd das Turmspringen. Der sehr strenge Trainer behandelt ihn wie jeden anderen Jungen. Nikita betritt das Sprungbrett zitternd und unsicher. Er weint manchmal, weil es ihm schwerfällt, aufrecht zu stehen, aber auch aus Angst. Nikita ist ebenso ehrgeizig wie sein Trainer. Und er kommt voran und geht immer höher. Am Tag vor seinem Geburtstag steht der Sprung aus 10 Metern an... Schafft Nikita auch das?
Kontakt Regie: specialeffect@mail.ru
Begründung des Juryentscheids:
Der zweite Preis geht an ein weiteres herausragendes Werk, das durch eine schnörkellose, präzise und doch warme Umsetzung überzeugt. Die einnehmende Hauptfigur hält den grossen Erwartungsdruck der erwachsenen Welt aus und entscheidet sich für ein selbstgewähltes Happy end - eine starke Darstellung von Selbstbestimmung. Die Filmemacherin zeigt Mut, die Bilder stehen und wirken zu lassen und vertraut der Originaltonspur. Sie schafft es, in der kleinen Welt des Hallenbads die heutige russische Gesellschaft wie beiläufig widerzuspiegeln.

Publikumspreis (CHF 2'500.)
Phoenix Dance
Karina Epperlein
USA 2006, 22’, Dokumentarfilm, OV/d/f
Der Tanz war der Lebensinhalt des amerikanischen Tänzers Homer Avila (er verstarb im April 2004 im Alter von 49). Infolge einer zu spät behandelten, seltenen Krebsart, wurde Homer ein Bein amputiert. Der Film zeugt vom bewegenden Kampf eines Ausnahmetänzers, der sich seinem Schicksal mutig stellt.
Kontakt Regie: karina(at)karinafilms.us

Procap Anerkennungspreis bester Schauspieler (Fr. 500.-)
Des putes dans les arbres
(Huren in den Bäumen)
Emmanuelle Huchet
F 2005, 22’, Spielfilm, OV/d/f
Clément ist 35 Jahre alt, hat Trisomie 21 und sucht eine Frau zum Heiraten...
Begründung der Jury:
Für die schauspielerische Leistung möchte die Jury Arnaud Six, den Hauptdarsteller aus "Des putes dans les arbres" - "Huren in den Bäumen" als besten Darsteller aller Wettbewerbsfilme erwähnen und ihm einen Sonderpreis in Höhe von CHF 500.- übergeben.
Kontakt Verleih: katia(at)chateau-rouge.info

Lobende Erwähnung der Jury
The Cost of Living
Lloyd Newson
UK 2004, 35’, Spielfilm, OV/d/f
Cromer bei Norfolk, ist ein typischer, altmodischer und verblasster Ferienort an Englands Küste. Die Sommersaison geht zu Ende und ein Hauch von Verlassenheit liegt über der Stadt. Eddie und David sind desillusionierte Strassenkünstler. Eddie ist direkt, scheut keine Konfrontation und kämpft für seinen Glauben an das Gerechte und die Ehrlichkeit. David ist ein Tänzer ohne Beine; ihm zuzusehen bedeutet, die eigenen Vorstellungen von Perfektion zu hinterfragen. Ruhig und bestimmt achtet er darauf, dass ihm seine Behinderung und gesellschaftliche Vorurteile nicht in die Quere kommen. Eine Reihe von lose verknüpften Szenen zeigen, wie die beiden leben, in und aus Beziehungen gleiten und von Tag zu Tag überleben.
Begründung der Jury:
"Cost of living" - "Der Preis des Daseins" von Lloyd Newson ist ein dynamischer mitreissender Film - ein einzigartiges Feuerwerk von Tanz, Leidenschaft und spielerischer Provokation.
Kontakt Verleih: dv8(at)artsadmin.co.uk

Lobende Erwähnung der Jury
Jak Motyl
(Wie ein Schmetterling)
Ewa Pieta
PL 2006, 28’, Dokumentarfilm, OV/d/f
Przemek ist seit Geburt gelähmt und kann nicht sprechen, aber sein Geist ist intakt. Als Junge versuchte er, mit seiner Umwelt zu kommunizieren, wurde aber 16 Jahre lang nicht verstanden. Auf diese Weise für dumm gehalten begann er, die Hoffnung zu verlieren, bis ein Wunder geschah... Heute schreibt er Gedichte und heimst Preise dafür ein.
Begründung der Jury:
Das Einmalige im Film "Jak Motyl" - "Wie ein Schmetterling" von Ewa Pieta ist, wie die Persoenlichkeit der Hauptfigur im Laufe des Films mit ihrer Intelligenz, ihrem Humor und ihrer Selbstreflektion vom Zuschauer entdeckt werden darf.
Kontakt Produktion: mgproduction(at)interia.pl
Alle weiteren Beiträge im internationalen Wettbewerb von look&roll 2008 in alphabetischer Reihenfolge:

Born Freak
Paul Sapin
UK 2002, 50’, Dokumentarfilm, OV/d/f
Ein humorvoller und bewegender Bericht des britischen Schauspielers Mat Fraser, der die Geschichte behinderter Bühnenkünstler untersucht. Selbst contergangeschädigt, erforscht und rekonstruiert Mat Fraser das Leben einiger legendärer behinderter Entertainer Europas im 18. und 19. Jahrhundert. Er setzt seine Suche in Amerika fort und besucht unter anderem die letzte amerikanische Freak Show, die "Side Show by the Seashore" in Coney Island, New York, deren Direktor ihn sogar zum Mitmachen bewegen kann. Frasers Reise, persönlich und historisch, endet mit einem dramatischen Finale, das jedes Publikum begeistern wird.
Kontakt Regie: sapin(at)xray.u-net.com

Grater och stör de andra
(Schreit und stört die Anderen)
Johanna Bernhardson
S, 2006, 11’, Dokumentarfilm, OV/d/f
Im Jahr 1932 verschwand Linnea Carlsson vom Bauernhof ihrer Familie. Als sie dreissig Jahre später zurückkehrt, ist sie ein anderer Mensch. Was war mit ihr geschehen? Ein kurzer Dokumentarfilm über Normalität, quälende Erinnerungen und Verrücktheit.
Kontakt Regie: johannabernhardson(at)yahoo.se

Inden for mine ojne
(Meine Augen)
Erlend E. Mo
Dk 2006, 19’, Dokumentarfilm, OV/d/f
Katja, 16, und Cathrine, 8, haben eine einzigartige Beziehung zu Musik, Natur und den damit verbundenen Sinneseindrücken. Die beiden Mädchen sind blind. Sie haben ihre anderen Sinne geschärft und nutzen sie sehr viel intensiver, als ihre Mitmenschen. Erlend E. Mo interpretiert in seinem Film die Weltsicht der beiden, die ebenso reichhaltig und nuanciert ist wie bei Sehenden, nur anders. Der Film portraitiert die Intimität und Intensität des Umfelds in wenigen Worten und lässt uns eine vertraute Welt mit neuen Augen sehen.
Kontakt Verleih: fp(at)magichourfilms.dk

Kevin – lasst mich reden
Georg Bussek
D 2006, 15’, Dokumentarfilm, OV/d/f
Kevin ist dreizehn. Er spricht gerne und, wenn man ihn lässt, auch viel. Doch immer wieder passiert es ihm, dass er unterbrochen wird und seine Sätze nicht beenden kann, denn er stottert. Dank einer neuen Therapie, spricht Kevin jetzt wesentlich besser und er hofft, dass er eines Tages sein Stottern ganz los sein wird.
Kontakt Verleih und Verkauf: gabriel.c@zdf.de

The Kids are All Right
(Als Kind sind sie ja noch ok)
Kerry Richardson
USA 2005, 30’, halbdokumentarischer Film, OV/d/f
Ein Film über das aufsässige “Jerry-Kid” namens Mike Ervin. Mike war in den 60iger Jahren ein Vorzeigekind der Muscular Dystrophy Association MDA (amerikanische Muskeldystrophie-Organiation) und hat sich seither zu einem Aktivisten für die Rechte Behinderter entwickelt. Heute kämpft er dagegen an, sich von der MDA vertreten zu lassen, die mit Jerry Lewis als prominentem Aushängeschild sogenannte Telethons organisiert. Bei diesen Anlässen wird im Fernsehen auf Mitleid erregende Weise Geld für die MDA gesammelt und davon hat die Aktivistengruppe „Jerry’s Waisen“ entschieden die Nase voll!
Kontakt Regie und Produktion: outreach(at)thekidsareallright.com

Kung Konrad
(König Konrad)
Daniel Wallentin
Sd 2004, 30’, Spielfilm, OV/d/f
Konrad ist geistig behindert. Er lebt bei seiner Schwester Tina auf dem Land. Sie hat es ein wenig satt, immer für ihren Bruder sorgen zu müssen und wünscht sich ein ganz normales Leben. In der Sylvesternacht entdeckt Konrad, dass er Dinge beherrscht, die er vorher nie konnte. Er macht sich auf den Weg zu Tina, die bei ihrem ersten Rendez-Vous ist, um ihr die Neuigkeiten mitzuteilen.
Kontakt Verleih: anita.tesler(at)draminst.se

Mammal
Astrid Rieger
D 2006, 7’30, experimenteller Spielfilm, ohne Dialoge
Eine Geschichte über die verstörende, symbiotische Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem – autistisch veranlagten? - Sohn. Sinnlichkeit, animalische Tendenzen und permanente Fluchtversuche auf der einen Seite stehen überbeschützenden Mutterinstinkten und Angst vor Veränderung auf der anderen gegenüber.
Kontakt Regie: astridrieger(at)web.de

Minden nap egy ùj kaland
(Jeder Tag eine Herausforderung)
Màrton Szirmai
Ungarn 2005, 3’30’’, Spielfilm, ohne Dialoge
Eine etwas bizarre, aber auch sehr ermutigende Studie über das Leben behinderter Menschen in einer osteuropäischen Stadt. Die Herausforderung des Alltags, unterfüttert mit schwarzem Humor und der Gewissheit, dass es gemeinsam einfach besser geht!
Kontakt Regie: szmarci(at)gmail.com

Over mijn lippen
(Über meine Lippen)
Janica Draisma
NL 2006, 14’, Dokumentarfilm, OV/d/f
Ein Film über das Sprechen, Stottern, Singen, Schweigen und Zuhören. Über Kommunikation. Wie geht man damit um, anders zu sprechen? Und wie reagieren wir auf Jemanden, der sich anders verhält, als die Norm es vorgibt. Die Wissenschaft bezeichnet Stottern als “neuromuskuläre Störung“ bei der Fehlfunktionen eines Muskels verhindern, dass Worte flüssig hervorkommen. Aber der Geist und das Unbewusste spielen auch eine Rolle. Wenn Du singst, stotterst Du nicht. Das ist das Wunder beim Stottern! „Über meine Lippen” wirft ein neues Licht auf Stotternde und ermöglicht uns eine interessierte und verständnisvolle Annäherung an dieses Phänomen. Vielleicht denken wir sogar grundsätzlich über unsere eigene Kommunikation nach. Denn wie auch immer: der Austausch mit Anderen spielt eine entscheidende Rolle in unserem Leben.
Kontakt Regie: draftfilm(at)nbf.nl

Schwarzfahrer
Nadja El-Abbadi
D 2006, 9’40, Dokumentarfilm, OV/d/f
"Jeder macht das, was er gut findet und warum soll das aufhören, nur weil man blind ist?" sagt Milos. Der kann seit einer Augenoperation vor einigen Jahren nicht mehr sehen. Milos steht auf Rock und auf schnelle Maschinen - und auf "Schwarzfahren"... und lässt uns daran teilhaben.
Kontakt Regie: elabbadi(at)gmx.de

Seule
(Allein)
Raphael Kolacz
B 2005, 14’, Spielfilm, OV/d/f
Eine Frau mittleren Alters lebt mit den Folgen eines Schlaganfalls. Ihr Tag beginnt mit einer Zigarette und einer Tasse Kaffee. Sie lebt freudlos und verbittert und beklagt den Tod ihres schon lange verstorbenen Sohns. Die tägliche Routine besteht in Stunden vor dem Fernseher und der spärlichen Kommunikation mit ihrem Kanarienvogel. Der Besuch der Tochter kommt wie ein Wirbelwind. Wird sie ihre Mutter zum Lächeln bringen?
Kontakt Regie: raphael.kolacz(at)gmail.com

Thumbs down to pity!
(Schluss mit dem Mitleid!)
Benjamin Snow
USA 2005, 1’, Dokumentarfilm, OV/d/f
Ein karate-begeisterter Journalismus-Student, der im Rollstuhl sitzt, schimpft auf Hollywoods Art, Behinderte als unproduktive Verlierer darzustellen. Er zeigt in seiner einminütigen “Filmkritik” eine Reihe von typischen Beispielen und unterstreicht damit, warum sein Urteil angesichts der vor Mitleid triefenden Stereotypien über behinderte Darsteller nur urteilen kann: DAUMEN RUNTER!
Kontakt Regie: heroman87(at)msn.com

Twitch
Leah Meyerhoff
USA 2004, 10’, Spielfilm, OV/d/f
Manchmal liegen unsere schlimmsten Befürchtungen direkt unter der Oberfläche.
Twitch porträtiert die irrationalen Ängste eines jungen Mädchens, dass die Behinderung ihrer Mutter ansteckend sein könnte. Ihr Freund, der ihre zunehmende Hypochondrie nicht wahrnimmt, scheint an ihr nur körperlich interessiert zu sein. Am Ende muss sie lernen, sich mit ihren Ängsten auseinanderzusetzen und sich selbst um sich zu kümmern.
Kontakt Regie: leah(at)leahmeyerhoff.com

Zwischen Sehrinde und Mandelkern
Stefan Ringelschwandtner
D 2006, 4’, Dokumentarfilm, OV/d/f
Ein junger Filmregisseur vermutet, dass er Asperger Syndrom hat. Er erzählt uns, wie er darauf gekommen ist.
Kontakt Regie: stefan(at)ringelschwandtner.com